Wenn eine Schwangerschaft auf sich warten lässt, stellen sich viele Frauen irgendwann die Frage, ob mit ihren Eileitern alles in Ordnung ist. Denn selbst wenn der Zyklus regelmäßig ist und der Eisprung stattfindet, kann eine eingeschränkte Durchgängigkeit der Eileiter die Entstehung einer Schwangerschaft erschweren. Doch wann sollte man die Eileiter untersuchen lassen? Wie läuft eine solche Untersuchung ab? Und bedeutet ein verschlossener Eileiter automatisch, dass eine natürliche Schwangerschaft nicht möglich ist? In diesem Artikel erklären wir, welche Aufgaben die Eileiter haben, wann eine Untersuchung sinnvoll sein kann und welche Möglichkeiten es gibt, ihre Durchgängigkeit überprüfen zu lassen.
1. Warum sind die Eileiter für eine Schwangerschaft so wichtig?
Die Eileiter verbinden den Bereich der Eierstöcke mit der Gebärmutter. Nach dem Eisprung wird die Eizelle vom Eileiter aufgenommen. Dort findet normalerweise auch die Befruchtung durch ein Spermium statt. Anschließend wird die befruchtete Eizelle in Richtung Gebärmutter transportiert. Damit dieser Vorgang funktionieren kann, müssen die Eileiter durchgängig sein und ihre Transportfunktion erfüllen. Sind ein oder beide Eileiter verschlossen oder geschädigt, kann das die Chancen auf eine Schwangerschaft beeinträchtigen. Manchmal bestehen solche Veränderungen, ohne dass die betroffene Frau deutliche Beschwerden bemerkt.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- Frühere Entzündungen im Beckenbereich, etwa durch bestimmte sexuell übertragbare Infektionen.
- Endometriose, die Entzündungen oder Verwachsungen verursachen kann.
- Frühere Operationen im Bauch- oder Beckenbereich.
- Eine zurückliegende Eileiterschwangerschaft.
- Vernarbungen oder Verwachsungen im Bereich der Eileiter.
Wichtig ist: Nicht jede Frau mit solchen Risikofaktoren hat tatsächlich verschlossene Eileiter. Ob eine Untersuchung sinnvoll ist, hängt von der individuellen Vorgeschichte und der gesamten Kinderwunschsituation ab.
2. Wann sollte man die Eileiterdurchgängigkeit prüfen lassen?
Eine Untersuchung wird vor allem im Rahmen der Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches erwogen. Sie kann helfen, mögliche Ursachen zu erkennen und die nächsten Schritte besser zu planen. Besonders sinnvoll kann es sein, die Eileiter genauer untersuchen zu lassen, wenn:
Eine Schwangerschaft trotz Kinderwunsch ausbleibt
Bei regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr wird eine medizinische Abklärung üblicherweise nach zwölf Monaten empfohlen. Ab etwa 35 Jahren wird häufig bereits nach sechs Monaten dazu geraten. Bei bekannten Risikofaktoren oder anderen Auffälligkeiten kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.
Frühere Unterleibsentzündungen bekannt sind
Bestimmte Infektionen können die Eileiter schädigen, auch wenn sie damals nur wenige Beschwerden verursacht haben.
Eine Endometriose vermutet oder diagnostiziert wurde
Endometriose kann mit Verwachsungen und Veränderungen im Beckenbereich einhergehen. Ob und welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Ausprägung und den Beschwerden ab.

Bereits eine Eileiterschwangerschaft aufgetreten ist
Nach einer Eileiterschwangerschaft kann eine gezielte Beurteilung der Eileiter bei der weiteren Kinderwunschplanung wichtig sein.
Eine Kinderwunschbehandlung geplant wird
Vor einer Insemination ist die Durchgängigkeit mindestens eines geeigneten Eileiters wichtig. Bei einer geplanten künstlichen Befruchtung mittels IVF wird die Situation anders beurteilt; bestimmte Eileiterveränderungen können allerdings auch dort eine Rolle spielen.
Die Untersuchung sollte nicht automatisch bei jeder Frau durchgeführt werden. Ärztinnen und Ärzte entscheiden anhand der Vorgeschichte, weiterer Befunde und der geplanten Behandlung, ob sie einen sinnvollen nächsten Schritt darstellt.
3. Welche Untersuchungen gibt es?
Es stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Sie unterscheiden sich darin, wie sie durchgeführt werden, welche Informationen sie liefern und welche Belastungen damit verbunden sind.
HyCoSy: Eileiterprüfung mit Ultraschall
Die HyCoSy ist eine Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel. Die Abkürzung steht für Hysterosalpingo-Kontrastsonografie. Dabei wird ein dünner Katheter vorsichtig durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingeführt. Anschließend wird eine Flüssigkeit oder ein spezielles Kontrastmittel eingebracht, dessen Weg sich im Ultraschall beobachten lässt. Wenn das Kontrastmittel durch die Eileiter fließt und im Bauchraum sichtbar wird, spricht das dafür, dass sie durchgängig sind.
Welche Vorteile hat die HyCoSy?
- Sie kommt ohne Röntgenstrahlung aus.
- Sie kann normalerweise ambulant durchgeführt werden.
- Eine Narkose ist in der Regel nicht erforderlich.
- Zusätzlich kann die Gebärmutterhöhle beurteilt werden.
Die Untersuchung kann unangenehm sein. Manche Frauen verspüren nur ein leichtes Ziehen, andere erleben stärkere, menstruationsähnliche Krämpfe. Das persönliche Schmerzempfinden ist unterschiedlich.

HSG: Eileiterprüfung mit Röntgen und Kontrastmittel
Die Hysterosalpingografie, kurz HSG, ist ein Röntgenverfahren, bei dem Kontrastmittel über den Gebärmutterhals in die Gebärmutter und die Eileiter eingebracht wird. Anhand der Röntgenbilder lässt sich beurteilen, ob das Kontrastmittel durch die Eileiter hindurch in den Bauchraum gelangt. Die HSG ist ein etabliertes Verfahren zur Untersuchung der Gebärmutterhöhle und der Eileiter. Im Unterschied zur HyCoSy wird dabei Röntgenstrahlung eingesetzt. Welche Methode geeigneter ist, hängt von der medizinischen Fragestellung, den örtlich verfügbaren Verfahren und der individuellen Situation ab.
Bauchspiegelung mit Farbstoffprüfung
Eine weitere Möglichkeit ist die Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt. Dabei wird in der Regel unter Narkose eine Kamera in den Bauchraum eingeführt. Gleichzeitig kann ein Farbstoff über die Gebärmutter eingebracht werden, um zu beobachten, ob er durch die Eileiter austritt. Dieses Verfahren ist invasiver als die HyCoSy oder HSG. Es kann jedoch zusätzliche Informationen liefern, etwa über Verwachsungen oder Endometriose.
Eine Bauchspiegelung ist deshalb normalerweise keine routinemäßige Erstuntersuchung allein zur Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit. Sie kann sinnvoll sein, wenn weitere Befunde oder Beschwerden eine operative Abklärung rechtfertigen.
4. Wann im Zyklus wird die Untersuchung durchgeführt?
Die Untersuchung wird üblicherweise nach der Menstruation und vor dem Eisprung geplant. In diesem Zeitraum lässt sich eine mögliche frühe Schwangerschaft besser ausschließen, und die Untersuchungsbedingungen sind häufig günstig. Der genaue Termin hängt vom Zyklus, der verwendeten Methode und den Vorgaben der behandelnden Praxis ab.
Vor der Untersuchung wird geklärt, ob eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden kann und ob Hinweise auf eine akute Infektion bestehen. Bei einer aktiven Infektion muss die Untersuchung in der Regel verschoben werden. Am besten besprichst du mit deiner gynäkologischen Praxis, an welchem Zyklustag die Untersuchung stattfinden soll und ob du etwas vorbereiten musst.
5. Tut die Untersuchung weh?
Diese Frage beschäftigt viele Frauen, bevor sie einen Termin vereinbaren. Und das ist verständlich. Während der Untersuchung können durch den Katheter und das Einbringen der Flüssigkeit Unterleibskrämpfe entstehen, die sich ähnlich wie Regelschmerzen anfühlen. Wie stark diese ausfallen, ist individuell verschieden. Manche Frauen empfinden die Untersuchung als gut auszuhalten, andere erleben sie als deutlich unangenehm. Deshalb wäre es nicht richtig, pauschal zu versprechen, dass sie schmerzfrei ist.
Sprich vor dem Termin offen über mögliche Schmerzen und frage nach geeigneten Maßnahmen zur Schmerzlinderung. Wenn du während der Untersuchung starke Beschwerden hast, solltest du das dem medizinischen Team unmittelbar mitteilen. Nach der Untersuchung können vorübergehend leichtes Ziehen und eine geringe Schmierblutung auftreten. Bei Fieber, starken oder zunehmenden Schmerzen, übel riechendem Ausfluss oder einer deutlichen Verschlechterung solltest du zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
6. Was bedeutet es, wenn ein Eileiter verschlossen ist?
Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist. Entscheidend ist unter anderem, ob ein oder beide Eileiter betroffen sind, an welcher Stelle eine mögliche Blockade liegt und ob weitere Fruchtbarkeitsfaktoren vorliegen. Wenn nur ein Eileiter verschlossen ist, kann eine natürliche Schwangerschaft weiterhin möglich sein, sofern der andere Eileiter ausreichend funktioniert und keine weiteren relevanten Einschränkungen bestehen.
Wenn beide Eileiter verschlossen erscheinen, ist eine natürliche Schwangerschaft deutlich erschwert. Dann können weitere Untersuchungen und gegebenenfalls eine Kinderwunschbehandlung infrage kommen. Allerdings ist ein auffälliges Untersuchungsergebnis nicht immer gleichbedeutend mit einem sicher bestehenden Verschluss. Beispielsweise können vorübergehende Muskelkrämpfe am Übergang zum Eileiter die Beurteilung beeinflussen. Je nach Befund kann deshalb eine weitere Abklärung sinnvoll sein.
Welche Möglichkeiten bestehen, hängt vom genauen Befund und von der gesamten Situation ab. In bestimmten Fällen kommen weitere Untersuchungen oder operative Verfahren infrage. Bei einer IVF werden Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet, sodass die Befruchtung nicht im Eileiter stattfinden muss. Ein auffälliger Befund sollte daher immer individuell besprochen werden, bevor Entscheidungen über eine Behandlung getroffen werden.
7. Bedeutet eine normale Eileiterprüfung, dass ich schwanger werden kann?
Ein unauffälliger Befund ist eine hilfreiche Information, aber keine Garantie für eine Schwangerschaft. Die Untersuchung zeigt in erster Linie, ob das verwendete Kontrastmittel zum Untersuchungszeitpunkt durch die Eileiter fließen konnte. Sie kann nicht alle Aspekte der Fruchtbarkeit beurteilen.
Auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, darunter:
- Der Eisprung und die hormonelle Regulation.
- Die Eizellreserve und das Alter.
- Die Qualität der Spermien.
- Die Gebärmutter und ihre Schleimhaut.
- Die Funktion der Eileiter, die über die reine Durchgängigkeit hinausgeht.
Deshalb wird die Eileiterprüfung bei Bedarf mit weiteren Untersuchungen kombiniert. Dazu können beispielsweise eine Zyklus- und Hormonabklärung, ein Ultraschall und ein Spermiogramm gehören. Eine umfassende Kinderwunschdiagnostik berücksichtigt nach Möglichkeit beide Partner und vermeidet, dass sich die Abklärung ausschließlich auf die Frau konzentriert.
8. Was passiert nach der Untersuchung?
Nach der Untersuchung werden die Ergebnisse mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen. Sind die Eileiter durchgängig, kann – abhängig von den übrigen Befunden – zunächst versucht werden, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
Zeigen sich Auffälligkeiten, wird geprüft, ob weitere Diagnostik oder eine Behandlung sinnvoll ist. Dabei spielen unter anderem das Alter, die Dauer des Kinderwunsches, mögliche Begleiterkrankungen und die Ergebnisse weiterer Untersuchungen eine Rolle. Du musst also nicht bereits vor dem Termin wissen, welcher Weg für dich der richtige ist. Die Untersuchung soll dabei helfen, die Situation besser zu verstehen und eine passende Entscheidung zu treffen.
Fazit: Wann lohnt es sich, die Eileiter untersuchen zu lassen?
Die Prüfung der Eileiterdurchgängigkeit kann ein wichtiger Bestandteil der Kinderwunschdiagnostik sein – insbesondere, wenn eine Schwangerschaft länger ausbleibt oder Risikofaktoren für Veränderungen der Eileiter bestehen. Mit Verfahren wie der HyCoSy oder der HSG lässt sich beurteilen, ob das Kontrastmittel durch die Eileiter gelangt. Eine Bauchspiegelung kommt vor allem dann infrage, wenn zusätzliche Fragestellungen geklärt werden müssen.
Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass es keine Möglichkeit gibt, schwanger zu werden. Gleichzeitig kann ein unauffälliger Befund andere Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch nicht ausschließen. Ein Gespräch mit Ihrer gynäkologischen Praxis oder einem Kinderwunschzentrum kann helfen, herauszufinden, welche Untersuchungen in Ihrer Situation tatsächlich sinnvoll sind.
Häufige Fragen zur Eileiterdurchgängigkeit
Kann man trotz eines verschlossenen Eileiters schwanger werden?
Ja, eine natürliche Schwangerschaft kann möglich sein, wenn der andere Eileiter ausreichend funktioniert und keine weiteren wesentlichen Fruchtbarkeitsprobleme vorliegen.
Kann man verschlossene Eileiter im normalen Ultraschall erkennen?
Ein gewöhnlicher gynäkologischer Ultraschall kann bestimmte Auffälligkeiten zeigen, aber die Durchgängigkeit der Eileiter lässt sich damit normalerweise nicht zuverlässig beurteilen. Dafür werden spezielle Verfahren eingesetzt.
Muss jede Frau mit Kinderwunsch ihre Eileiter untersuchen lassen?
Nein. Ob die Untersuchung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Dauer des Kinderwunsches, dem Alter, der Vorgeschichte und möglichen Risikofaktoren ab.
Ist die HyCoSy besser als die HSG?
Keine Methode ist in jeder Situation überlegen. Die HyCoSy kommt ohne Röntgenstrahlung aus. Welche Untersuchung geeignet ist, sollte anhand der individuellen Fragestellung entschieden werden.
Kann die Untersuchung die Fruchtbarkeit verbessern?
Die Untersuchung dient in erster Linie der Diagnostik. Bei bestimmten Verfahren kann das Einbringen von Flüssigkeit möglicherweise kleinere Schleimpfropfen lösen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Untersuchung generell die Fruchtbarkeit verbessert oder eine Schwangerschaft garantiert.




